Aktualisiert am:
22.05.2019
Der OT Waldsiedlung/Weinberg:
(the town district Waldsiedlung/Weinberg)
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Mit dem Gemeindegebietsreformgesetz des Landes Brandenburg wurden per Gesetz folgende ehemaligen selbstständigen Gemeinden des Amtes Nauen-Land der Stadt Nauen als Ortsteile (in Klammern die zugehörigen Wohnplätze)) eingegliedert: Berge, Bergerdamm (Bergerdamm-Lager, Bergerdamm-Hanffabrik, Hertefeld), Börnicke (Börnicke, Ebereschenhof), Groß Behnitz (Gr. Behnitz, Quermaten), Kienberg (Kienberg, Teufelshof), Klein Behnitz, Lietzow (Lietzow, Utershorst), Markee (Markee, Markau, Neugarten, Neuhof, Röthehof), Ribbeck, Tietzow, Wachow (Wachow, Gohlitz, Niebede). Die Ortsteile Neukammer, Weinberg (heute Waldsiedlung) und Schwanebeck gab es schon vorher.

Der OT Waldsiedlung (The city-district Weinberg ...the vineyard)

Im Gegensatz zu den Ortsteilen Neukammer und Schwanebeck war der Weinberg nie eine eigenständige Gemeinde.
Die ersten Parzellierungen wurden bereits 1865 auf dem heutigen Gelände der Rundfunksendestelle zur Errichtung eines landwirtschaftlichen Vorwerks vorgenommen.
Die komplexe Erschließung des Weinberggeländes erfolgte 1932, indem ein Hermann Schulz aus der Wilhelmstraße 6 in Nauen mehr als 150 Parzellen von je 800 und einige mit 8000 Quadratmetern für 50 Pfennigen je Quadratmeter verkaufte. Die Bezahlung war auch in Raten mit einer kleinen Anzahlung möglich.
Gelegen unmittelbar an der Rundfunksendestelle ist die Anlage zwischen Dechtower Damm, Falkenweg und Kiebitzweg als Kleingartensiedlung für naturhungrige Berliner und Nauener entstanden.
Mit dem Kraftomnibus war die Siedlung in rund 30 Minuten über die Ausfallstraße Berlin-Spandau, Falkensee und Alt-Brieselang oder per Fuß aus Nauen, zu erreichen.
Da sich direkt an der Einmündung Graf-Arco-Str. zur Brieselanger Straße eine respektable Gaststätte befand, hatte der "Laubenpieper" von damals alles was er brauchte.
Zu guter letzt war die Siedlung von Wald umgeben, in dem seltene Pflanzen gedeihen und in dem man herrlich spazieren gehen konnte.
Im Jahr 2019 wurden die Grenzen des Ortsteils Waldsiedlung per Beschluss der Stadtverordnetenversammlung exakt definiert und festgelegt.



Anfang der Neunziger erklährte man das Areal zum Ortsteil von Nauen und gab ihm im Jahr 2000
sogar ein eigenes Ortsschild mit der ellenlanger Bezeichnung (s.rechts):

Ab 2010 stand dann nur noch Waldsiedlung auf dem Ortsschild.
Der gesamte OT erstreckt sich vom Kanal bis zur Rundfunksendestelle, der ehemaligen Försterei und dem WP (Wohnplatz) Stolpshof.
Siedlungsschwerpunkte sind:
- Kanalsiedlung
- Siedlung Eichhorstweg
- Postsiedlung
- Weinbergsiedlung
- Stadtforst mit der alten Schäferei, dem Forsthauskomplex und Stolpshof



Zum Stadtforst >>>


Bis in die Mitte der siebziger Jahre prägten deshalb auch Lauben und Wochenendhäuser das Landschaftsbild. Richtige feste Häuser, so wie dieses, gab es nur eine Handvoll. Nun begann man, die Lauben auszubauen und in den 1980er Jahren erklärte die Stadt das gesamte Areal zum Bebauungsgebiet, in dem fortan Eigenheime errichtet werden konnten. Dem Einfallsreichtum und Organisationstalent seines Besitzers war es nun überlassen, wie schnell sein Um- und Ausbau von statten ging. So entstand die ganze Siedlung in einer aufgelockerten Bauweise, weil jedes Haus selbst ein Unikat darstellt.

Die Bezeichnung Weinberg ist wohl dem Ort entlehnt, der sich unmittelbar hinter der ehemaligen Gaststätte gleichen Namens befindet, dem Weinberg. Auf diesem steht heute ein Denkmal für jüdische Mitbürger, die dort einmal begraben waren. Inwieweit der Weinberg mit dem ehemaligen jüdischen Friedhof in Verbindung steht, war nicht zu ergründen. Dass es aber tatsächlich dort Weinstöcke gegeben haben könnte, wird von der Tatsache erhärtet, dass man heute noch so genannte Weinbergschnecken im Wald findet.
Diesem "Berg" verdankt der Wohnplatz Weinberg seinen Namen ...dem Weinberg (the vineyard).
Auf seinem "Gipfel" steht seit Ende der Achtziger ein neues Denkmal zu Ehren des sich hier befundenen jüdischen Friedhofs.
Die Anlage wird von den Mitbewohnern des Heimes "Horizont e.V." gepflegt, die es sich in den Baracken des ehemaligen Arbeitslagers aus der NS-Zeit häuslich eingerichtet haben. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden zwei der Baracken bis etwa 1965 als Grundschule und danach als Hausmeisterwohnung und Kindergarten bis Anfang der 1990er genutzt.
Genau gegenüber betrieb das Reichs-Chemie-Lager drei Baracken.
Wer darin lebte oder was auch immer darin gelagert wurde, ist derzeit nicht bekannt.
In der DDR-Zeit befand sich bis Mitte der 1960er Jahre in einer der Baracken eine Grundschule, danach war hier ein Kindergarten und eine Hausmeisterwohnung unter gebracht. Seit den 2000er Jahren betreibt hier der HORIZONT e.V. ein Erziehungsheim für straffällig gewordene Jugendliche. Diese werden so vor dem Gefängnisaufenthalt bewahrt.

Die ehemalige Gaststätte Am Weinberg war bis zur Einstellung der Geschäfte Mitte der 1990er ein beliebtes Ausflugsziel. Ein schattiger Fußweg beiderseits der Graf-Arco-Straße lud besonders an Feiertagen zu Spaziergängen ein. Im Biergarten gab es Frühschoppenkonzerte und eine befestigte Tanzfläche. Wer nicht mehr allein nach Hause fand, konnte mit dem Kraftomnibus zurück fahren. Viele Nauener nutzten den so genannten Stadtforst-Rundweg, d.h., man wanderte zu Fuß zur Gaststätte Weinberg, aß dort zu Mittag und setzte seinen Weg durch den Wald in Richtung Forsthaus fort, um vorher aber in die Gaststätte am Bahnhof Stadtforst zum Kaffee und Kuchen einzukehren. Zurück fuhr man meist von dort mit der Veltener Bahn zum Nauener Hauptbahnhof. Die Gaststätte Am Weinberg war bis zur Schließung auch ein beliebter Treffpunkt der Kraftfahrer. Dem trug man schon bei der Eröffnung Rechnung und baute direkt am Eingang zur Gaststätte eine Tankstelle auf, welche aber bereits Mitte der Dreißiger wieder verschwand.
Heute bietet das einst gut anzuschauene Bauwerk ein Bild des Jammerns. Seit Jahren verfällt es zu einer Ruine.



  Auch die "Märkischen Falken" hatten hier einst ihr Domizil aufgeschlagen. Da schon zu DDR-Zeiten an der Brieselanger Straße in Höhe der alten Schäferei ein Agrar-Flugplatz bestand, welcher von der Interflug und dem Agrochemischen Zentrum Nauen gemeinsam betrieben wurde, hatten die Falken Glück bei der Übernahme - nach dem Einigungsvertrag hatte dieser Platz Bestandsschutz, obwohl er bei den Anwohnern noch nie Begeisterung weckte. Wurde zu DDR-Zeiten nur von Montag bis Freitags geflogen, so waren es fortan die Wochenenden und Feiertage, an denen eine Maschine nach der anderen über die Siedlung startete. An der Nicht-Akzeptanz unter der Bevölkerung konnten auch die jährlich stattfindenen Flugplatzfeste kaum etwas ändern. Wohl auf Grund der ständigen Bürgerproteste hat die Stadtverwaltung auch ihre Meinung zum Thema Ausbau zum Verkehrslandeplatz revidiert und ihre Zusagen zurückgezogen. Kurz danach hatten die "Märkischen Falken" den Platz aufgegeben. Der Hangar steht noch an seinem alten Platz, aber weiter ist kaum mehr was da, was auf diesen ehemaligen Verkehrslandeplatz hinweist.




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