Die wohl ältesten Zeugnisse ...
einer
Besiedlung um Nauen ...
stammen aus einer
Zeit vor rund 3000 Jahren,
als die ersten germanischen Siedlungen entstanden.
Die Ersterwähnung des Ortes bleibt bis heute umstritten.
Nicht umstritten ist dagegen das Jahr 1292.
In diesem Jahr verkauften die Markgrafen Otto und Konrad von
Brandenburg
an Nauen 53 Hufe Land.
Wenngleich die Urkunde darüber verloren ging, so gilt dieses Jahr
dennoch als das Jahr der Stadtrechtsverleihung.
1305 wurde die Stadt dem Landesherrn direkt unterstellt und
erhielt die Zulassung zum Landtag.
Handel und Handwerk
konnten sich nun frei entwickeln.
Großen Aufschwung gab es nach der Erteilung von Schankberechtigungen,
welche wohl lange Zeit vielen Bürgern zu Lohn und Brot verhalfen.
So gab es selbst im Jahre 1965 noch fast 20 Gastwirtschaften
bei rund 12 Tausend Einwohnern.
In der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde Nauen zur reinen
Ackerbürgerstadt.
Die Trockenlegung des Havelländischen Luches machte es möglich.
Noch heute künden viele überbaute Toreinfahrten
aus dieser Zeit, wie florierend das bäuerliche Leben war.
In der langen, wechselvollen
Geschichte dieser Stadt vernichteten vier
verheerende Stadtbrände immer wieder große Teile der Wohnansiedlung,
welche überwiegend aus Holzbauten bestand.
Der Brand im Jahre 1695 war wohl der größte. Bis auf zwei
Torwächterhäuschen fielen ihm alle Gebäude der Stadt zum Opfer. Trotz
des Stadtbrandes von 1765 und des nachfolgenden Wiederaufbaues
galt Nauen als wohlhabende Stadt. Um 1850 war Nauen nach
Potsdam und Brandenburg drittgrößter Produzent von Textilien in der
westlichen Mark Brandenburg.
Nach dem Wiederaufbau entstanden im Wesentlichen zweigeschossige
Fachwerkbauten.
Viele davon sind bis heute erhalten geblieben.
Gleichzeitig wurde nun die überflüssig gewordene Stadtmauer abgetragen,
der Stadtgraben verfüllt und auf dem neu gewonnenen Territorium
errichtete man Wohnbauten.
Naturgemäß umschlossen sie die Innenstadt ringförmig.
Die einzelnen Gewerke siedelten sich in ganz bestimmten Stadtbereichen
an.
Davon künden heute noch solche Straßennamen wie die Baderstraße.
Die Wallgasse verweist auf den Verlauf der ehemaligen Stadtmauer.
Im Verlaufe der Zeit konnte man gerade im Nordabschnitt dieser Straße
erkennen, dass sich die Wohnhäuser auf teilweise verfülltem Boden
befanden. Da sich die Rückseite der Gebäude senkte, stand die
Vorderfront naturgemäß nicht mehr im Lot. Teilweise wurden die
Außenwände mit einer bis zu einem dreiviertel Meter dicken Mauer
verstärkt, um eine ausreichende Stabilität zu erreichen.
Im Jahre 2000 mußten diese unbewohnbar gewordenen Häuser einer
Neubebauung weichen.
Nauen wurde viele Jahrzehnte lang
als Garnisionsstadt genutzt.
Selbst der preußische König Friedrich II. (1712-1789) hielt
sich als Kronprinz im Jahre 1732 mehrere Wochen in Nauen auf.
Er war damals Kommandeur des Batallions "Prinz Ferdinand". Er soll im
Hause der alteingesessenen Familie Kerkow gewohnt
haben. Mehrere Jahre lang nannte man die ehemalige Potsdamer Straße
deshalb auch "Königsstraße" (Heute Goethestraße.).
Nauen war auch eine Stadt der Windmühlen: Seit dem 14. Jahrhundert
klapperten ungezählte Bockwindmühlen vor den Stadttoren. Selbst um 1800
gab es wohl noch um die dreizehn davon. Der Motorisierung im
Mühlenwesen fiel 1926 die Letzte zum Opfer.
1826 wurde Nauen
Verwaltungssitz
des zehn Jahre zuvor ins Leben gerufenen Landkreises Osthavelland.
Weltbekannt wurde die Stadt aber erst mit der Inbetriebnahme der
Großfunkstation
der Firma Telefunken. Seit 1906 wurden auf einem Territorium
unweit der Stadt Experimente mit elektromagnetischen Wellen
vorgenommen.
Im Jahre 1920 baute man die Station zur Großfunkstelle aus.
Weltweit konnte man nun seine Uhrzeit nach dem Signal der Nauener
Sendestation stellen. Dazu strahlte man von hier das Zeitzeichen
aus.
Auch heute ist Nauen noch Sendestandort, betrieben
von der Deutschen Telekom AG.
Ein weiteres Unternehmen machte Nauen in der nordwestlichen Region von
Berlin bekannt: Die Zuckerfabrik.
Genau einhundert Jahre (1889 bis 1990) war sie in Betrieb. Sie
gab nicht nur hunderten von Saisonarbeitern Lohn und Brot, sondern
sicherte unzähligen Bauern von Jüterbog bis Perleberg, von Rathenow bis
Oranienburg, das Überleben.